Politik

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"Hoffnung auf den Umsturz"

  Träumen erlaubt! 

 

   In Rumänien weht seit der Europawahl im Mai 2019 der langersehnte "Wind of Chance". Die kommende Zeit wird (noch) spannend(er), und wahrscheinlich

   muss der unten stehende Text demnächst in Teilen neu geschrieben werden. 

   Über den aktuellen Stand der Dinge informieren Sie sich bitte jederzeit in der  Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien

   Letzte Aktualisierung: 27.2.2019

 

"Rumänien hat den Osten verlassen, im Westen ist es jedoch nie angekommen. Es hat von Allem etwas, von hüben die Form, von drüben den Inhalt."  Dr. Dan Cărămidariu im Oktober 2018 in der www.adz.ro 

 

1. Exakt seit 100 Jahren, seit dem Anschluß Siebenbürgens an Rumänien, holpert das "Moderne Rumänien" mehr oder weniger chaotisch vor sich hin. 1918 wurden von den Siegern des ersten Weltkrieges sehr unterschiedliche Regionen zusammengekittet. Die Grenze zwischen Orient und Okzident verläuft mitten durch das heutige Rumänien. 

 

2. Allen sitzt noch das Erbe der stalinistischen Unterjochung in den Knochen, die Bewohner des "Altreichs" haben zusätzlich noch die osmanische Untertanen-Mentalität in den Genen... ("Einen gesenkten Kopf fällt das Schwert nicht." - alte rumänische Redewendung) 

 

3. Die so dramatische "Revolution" im Dezember 1989 war nichts als eine große "Verarschung", die den Fortbestand des Regimes für Jahrzehnte sichern konnte. Sie brachte keine Wende sondern Kontinuität. Im Keim war sie vielleicht ein Volksaufstand (Temesvar), ansonsten blutiges Theater mit 1104 Toten und über 2200 Verletzten. (Gegen Iliescu & Co. wird unendlich langsam wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" ermittelt.) Das Diktatorenpaar wurde damals sofort erschossen (= zum Schweigen gebracht), damit das System überleben kann. 

Trotzdem hat das Land sich mit dieser Nomenklatura - widerwillig, mangels anderer Zukunftsperspektiven - bis zu einer EU-Mitgliedschaft "demokratisiert". 

Es ist bekannt, dass die alten Kader das Land seit der "Wende" schamlos ausplündern. Das funktioniert aber seit dem EU-Beitritt nicht mehr reibungslos. Die Hebel der Macht halten sie allerdings z.Zt. noch fest ihren Händen. Weil eine neue pro-europäische Politikerklasse unter Personalmangel leidet, weil die "okzidentalen" Leute emigrieren, sich zurückziehen und als Wähler fehlen, deshalb wittern diese Leute heute sogar Morgenluft. (Razvan Theodorescu: "Rumänien hatte in seiner Geschichte noch keinen einzigen demokratischen Moment.") 

 

4. Die europäischen Maßstäbe von "links" und "rechts" gelten in Rumänien nicht. Die alten Seilschaften nennen sich jetzt: "Sozialdemokraten", sind also vermeintlich "links". In Wirklichkeit haben sie überhaupt keine Ahnung, was Sozialdemokratie bedeutet. Sie sind Neo-Feudalisten und National-Populisten, die Erben des skurrilen rumänischen National-Kommunismus.  Sie verfolgen keine Ideologie, sie wollen nur eins: sich ungestraft bereichern dürfen. 

Der europaweite Aufstieg der Rechts-Nationalen findet in Rumänien nicht in gleicher Weise statt. "Rechts" sein bedeutet in Rumänien "europäisch" - weltoffen, liberal, tolerant, demokratisch -  und: Opposition zur momentanen Regierung

 

5. De facto herrscht seit 2 Jahren "Bürgerkrieg" im Land, ein Krieg zwischen Orient und Okzident, zwischen Moderne und Mittelalter, zwischen Demokratie und Illiberalität, zwischen Kriminellen und Anständigen. Ein Krieg, der das Land spaltet und lähmt und Millionen zur Ausreise treibt. (Die Leistungsträger emigrieren, die Analphabeten bleiben zurück...und regieren.) 

 

6. Kern aller Probleme sind die überlieferten balkanischen Umgangsformen auf allen Ebenen. In Regierung und Parlament wurden verurteilte Straftäter gewählt, mit einem Fuss schon im Gefängnis, die nur Eigeninteressen und die ihrer Komplizen vertreten, statt eine Vision für das Land zu haben, und deren Regierungsstil toxisch für das Land ist (auch für die Wirtschaft). Und kurioserweise ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Leute wieder und wieder gewählt werden (dank der Propaganda-Fernsehkanäle der regierenden Straftäter und der Abwesenheit an den Wahlurnen). 

 

7. Gute weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen spielten der Regierung bisher in die Hände. Die Wirtschaft wächst (BIP 2017 +7%, 2018 +5%). Zitat Liam Carson, Osteuropa-Experte von Capital-Economics in London: "Rumänien ist womöglich die am schnellsten wachsende Ökonomie der Welt."  Experten warnen aber: "Das Wachstum basiert auf Pump und Konsum!" (wozu ganz wesentlich die Auslands-Rumänen mit Geldtransfairs von jährlich 4 Milliarden Euro beitragen.) Das Budget-Defizit wächst (2018: 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung). Das Aussenhandels-Defizit wächst ebenfalls. Und die Arbeitskräfte werden immer knapper...

 

8. Die rumänische Verfassung erfüllt (wegen des Drucks der EU) - noch - einige europäische Standards, es herrscht durchaus Meinungs- und Informationsfreiheit, die Justiz hat (noch) europäische Züge. Eine rumänische Besonderheit ist die unabhängige Anti-Korruptions-Behörde DNA, 2002 von der EU iniziiert. Diese arbeitete seit etwa 5 Jahren unter der Chef-Staatsanwältin Laura Kövesi so gut, dass sich das System zum Gegenangriff genötigt sah. 68 Amtsträger, darunter 14 amtierende oder ehemalige Ministerpräsidenten, wurden von der DNA angeklagt, zuletzt der mächtigste Mann Rumäniens zu mehreren Jahren Gefängnis. Mehr als 2 Milliarden Euro wurden in den 5 Jahren konfisziert. 

 

9. Das höchste Amt im Staat hat (sensationell!) ein Vertreter der pro-europäischen Opposition inne. 2014 direkt gewählt (von 6,5 Mill. Bürgern) gilt Staatspräsident Klaus Iohannis als Garant für Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Stabilität. Der Ex-Bürgermeister von Sibiu (von 2000 bis 2014) geniesst (im Gegensatz zur Regierung) international höchstes Ansehen. Innenpolitisch sind seine Machtbefugnisse leider extrem begrenzt, so daß er sich - ohne breite Unterstützung der Bürger - nur um "Schadens-Begrenzung" bemühen kann. Wahrscheinlich ist, das er 2019 wiedergewählt wird und dass um ihn herum eine "neue politische Klasse" entsteht, die auch in der Lage ist, mit kompetenten Kandidaten 2020 die Parlaments-Wahlen zu gewinnen. 

 

10. Die momentan herrschenden kriminellen Horror-Clowns wurden Ende 2016 mit "überwältigender Mehrheit" von nur 17,6 Prozent (= 3,2 Mill. Stimmen)  der Wahlberechtigten gewählt, weil die meisten Bürger, die 2014 Iohannis zur Präsidentschaft verholfen hatten, leider nicht wieder mobilisiert werden konnten (nur 39% Wahlbeteiligung*). Die so entstandene "rote" Parlaments-Mehrheit und die Schwäche der EU ermutigt die alten Kader. Weil 85% von Ihnen Probleme mit der Justiz haben, ist es ihr absolutes Hauptanliegen, die Justiz ihrer Macht unterzuordnen bzw. regelrecht lahmzulegen. Alle demokratischen Errungenschaften sind im Moment extrem bedroht. Die Regierung kämpft gegen einen von ihr erfundenen "Parallel-Staat". Damit meint sie nichts anderes als den Rechtsstaat, den Präsidenten und alle Institutionen, die sich noch nicht unterworfen haben. Sie steuert das Land Richtung Illiberalität und Diktatur. Es gibt interessante Parallelen zu Erdogan und seinem Kampf gegen die "Gülen-Bewegung". Im Gegensatz zur Türkei gibt es aber nicht wirklich einen Diktator. Hinter dieser Regierung, deren immer gruseligere Protagonisten regelmäßig ausgetauscht werden, steht eine unsichtbare, schweigende aber sehr einflussreiche und steinreiche Klientel: Geheimdienstler, Geschäftsleute, ehemals hochrangige Beamte, die seit dem EU-Beitritt ihre Privilegien verloren haben und die jetzt die Zeit für reif halten, sich zu rächen. Ihre kriminelle Energie und Ausdauer speist sich aus persönlichen Frustrationen in Bezug auf die Justiz. Deshalb nehmen sie für die Unterwerfung der Justiz alles in Kauf, auch einen "RO-EXIT" und eine Rückkehr Rumäniens in das "Niemandsland der 90er Jahre" - wenn sie nur nicht vor dem Haftrichter erscheinen müssen. (Quelle: Digi24, Dan Turturica) (*auch verblüffende Ähnlichkeit mit Polen 2015: dort bescherte eine Wahlbeteiligung von 38% der europafeindlichen PiS-Partei die absolute Mehrheit.) 

 

11. Der PSD-Dragnea-Clan hat die Parlaments-Wahl 2016 mit falschen Wahlversprechen - Krankenhäuser und Autobahnen - gewonnen. Denn das Wahlvolk in Rumänien besteht aus leicht manipulierbaren "Analphabeten" oder abhängigen "Bugetari" (Das sind ca.1 Million Staatsangestellte.) und wählt die Machthaber. Die anderen Staatsbürger legten bisher mehrheitlich Wert darauf, "apolitisch" zu sein und nahmen deshalb an keiner Wahl teil. Dieses Verhalten fördert nicht gerade positive Veränderungen. 7 Millionen Einwohner (von 20 Millionen) haben seit 1990 mit den Füßen abgestimmt (2017: 210.000; 2018: 250.000; seit 1945 knapp 10 Millionen) und suchen bessere Lebensbedingungen im Ausland. Viele sitzen auf gepackten Koffern (Lt.Umfrage planen 21% der verbliebenen Einwohner die Ausreise in den nächsten 2 Jahren.), Rumänien ist (nach Syrien) Auswanderungsland Nr. 2 weltweit. In Deutschland waren die Rumänen 2017 sogar die größte Einwanderergruppe, noch vor den Syrern. Statt die Wahlversprechen in Angriff zu nehmen arbeitet die Regierung ausschließlich an Projekten, von denen vor der Wahl nicht die Rede war - und verweist bei Kritik immer auf ihre satte Parlaments-Mehrheit. 

Mittlerweile ist die Gesellschaft polarisiert. Auf der einen Seite die erwachende pro-europäische Zivilgesellschaft, auf der anderen die ungebildeten, desinformierten oder abhängigen Anhänger der Staatspartei. Nur auf ein Idol können sich alle noch einigen: Das ist Raed Arafat, Erfinder und Chef des Rettungsdienstes SMURD, jetzt Staatssekretär im Gesundheitswesen, einer der bewiesen hat, dass man auch in Rumänien von unten her etwas verändern kann. Arafat (ein Palästinenser) wird - trotz der katastrophalen Lage des Gesundheitswesens - wie ein "säkularer Heiliger" verehrt. Fraglich ist, wie lange er sich noch aus der Politik heraushalten kann. 

 

12. Rumänien hatte noch bis vor Kurzem einen richtigen König. Michael I. aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen starb mit 96 Jahren im Dezember 2017. Seitdem ist seine Tochter, Prinzessin Margarete, offiziell "Hüterin der Krone". Michael hätte ein "rumänischer König Carlos" sein können! Doch die herrschenden Postkommunisten wussten das zu verhindern. Angesichts des immer grotesker werdenden Bukarester "Politik-Zirkusses" halten manche die Wiedereinführung der 1947 abgeschafften Monarchie für die beste Lösung. Die Forderung nach einem Referendum darüber ist in der letzten Zeit aber leiser geworden. Die rumänischen "Royals" machen seit dem Tod König Michaels keine gute Figur mehr. (www.familiaregala.ro) Nach der erzwungenen Abdankung leben sie erst seit 2002 wieder in ihren rumänischen Schlössern. Sie pflegen die typischen Hauptbeschäftigungen gekrönter Häupter: "Hüte aufhaben und Winken", sowie Skandälchen produzieren - natürlich initiieren sie soziale Projekte. Aus der Politik halten sie sich heraus. 

 

13. Es herrscht (Hyper-)Zentralismus nach dem Vorbild Frankreichs. "Dezentralisierung" und "Regionalisierung" stehen als Vokabeln zwar schon ewig auf der Agenda, stossen aber auf ängstlichen Widerstand der rumänischen Patrioten. Denn der "Nationalstaat" ist fragil. Dabei hätten vor z.B. die ungarischen Szekler als "Ureinwohner" des Landes mehr Autonomie verdient. (www.youtube.com) Doch neue nationalistische Auswüchse, angeheizt vom Orban-Ungarn, die zur Destabilisierung des wackeligen Rumänen führen, sind jetzt schon problematisch. Die Ungarn sind zwar ein stolzes fleissiges Volk - gehören aber auch in Rumänien leider NICHT pauschal zu den progressiven Kräften. Neben einer Autonomie nach ethnischen Kriterien wird zunehmend die Vision eines Transilvaniens nach dem Vorbild der Schweiz populär. 

 

14. Trotz der zentralistischen Strukturen des 1918 gegründeten Staates unterscheiden sich die Regionen klimatisch, landschaftlich, kulturell und hinsichtlich der Wirtschaftskraft stark. Siebenbürgen profitiert von einem reichen kulturellen Erbe der verschiedenen Ethnien. Als ehemaliger Teil der K.u.K.-Monarchie hatte es in allen Bereichen (Bildung, Wirtschaft, Infrastruktur...) schon vor 100 Jahren die Nase deutlich vorn und ist heute auch wegen der Nähe zum Westen und vieler westlicher Investitionen besser aufgestellt als das "Rumänische Altreich" südlich der Karpaten.

Innenpolitisches Chaos und Machtkämpfe; Demagogie, Desorganisation, Misere; Analphabetismus und Unterentwicklung; Eliten, die das Land ausplündern, aus Korruption resultierende Armut - all das hat Siebenbürgen seit 1918  vom rumänischen Altreich "importiert". In den Jahrhunderten vorher hatten die Siebenbürger Sachsen (mit Szeklern und Rumänen) auf ihrem Königsboden - trotz ständiger Bedrohungen von Außen - den Beweis erbracht, das "blühende Landschaften", also ein hohes wirtschaftliches und kulturelles Niveau, in dieser Region möglich sind - eine Erfolgsgeschichte, die bis heute positiv nachwirkt. "Siebenbürgen hätte eine "Balkanische Schweiz" werden können." (wäre nicht der Anschluß an Rumänien erfolgt), sagt der Philosoph Cristian Tudor Popescu. Im Dezember 2018 wurde von den Städten Arad, Cluj, Timisoara und Oradea die "Allianz des Westens" gegründet. Weitere Städte werden sich wohl anschließen - ein erster Schritt Richtung Autonomie? 

 

15. Seit der verunglückten Parlamentswahl Ende 2016 bastelt die herrschende Koalition (aus "Sozialdemokraten" und Pseudo-Liberalen mit Hilfe mehrerer Opportunisten) wie besessen an der  Anpassung der Justiz an ihre Bedürfnisse (bisher mehr als 300 Gesetzes-Änderungen zugunsten Krimineller, die teils rückwirkend gelten). Dabei bleibt jegliche Rechtsstaatlichkeit auf der Strecke. Nebenbei findet sie noch Zeit, möglichst alle anderen bisher funktionierenden Bereiche unprofessionell umzukrempeln (vom Steuerrecht** bis zum Waffengesetz). Die Justiz-Reform wird - nach Meinung von Experten - das Land in die 1990er Jahre zurückbeamen. Durch die Strafrechts-Änderungen würde Rumänien zum "Paradies für Verbrecher" und zum "Ersten Land der Welt, das Korruption legalisiert" - zur "Diktatur der Diebe". Motivation: grenzenloser Eigennutz, Illiberalität und Demokratieverachtung. "Willkommen im Club der Schwarzen Schafe der EU" , zusammen mit den Ex-Demokratien Ungarn und Polen. 

Im hundertsten Jahr seines Bestehens gibt es keine öffentliche Diskussion über die Riesenprobleme des Landes. Die Herrschenden sind damit beschäftigt, ihre Haut zu retten und ihre Besitztümer zu mehren... . Niemand hat ein Entwicklungs-Programm oder eine Strategie für das Land. Zur Jahrhundertfeier schenkt sich Rumänien eine mit Steuermitteln finanzierte monströse Mittelalter-Kathedrale. Und würde sich gerne noch ein weiteres Geschenk machen: Die Große Amnestie für alle Korrupten, was Präsident Iohannis und die Zivilgesellschaft bisher aber noch verhindern konnten. 

Demokratie ist eben das, was man aus ihr macht. Und jedes Volk hat dann die Regierung, die es verdient... Aber - so kann es eigentlich nicht weitergehen

 

16. Wie 1989 in der DDR wird 2018/19 (mit Verspätung) in Rumänien der "Aufrechte Gang" geübt. Aber große Demos finden derzeit kaum statt. Die Zivilgesellschaft ist nach 2 Jahren Dauerzoff müde geworden - und wandert aus. Das Land steht am Scheideweg - die Zukunft ist offen. 

Zum Glück gibt es "Felsen in der Brandung": Klaus Iohannis, Staatspräsident seit 2014, und Laura Kövesi, Staatsanwältin, seit 2013 Chefin der Antikorruptions-Behörde DNA (wurde Anfang Juli 2018 auf Druck der Regierung zwar abgesetzt, bleibt aber eine Ikone und wird wahrscheinlich die künftige EU-Generalstaatsanwältin sein.), Augustin Lazar, souveräner Generalstaatsanwalt Rumäniens.

Positive Überraschung am 3.2.2019: Die beiden "sauberen" pro-europäischen Oppositionsparteien USR* und PLUS (Dacian Ciolos) haben sich zur Allianz 2020 zusammengeschlossen. Damit gibt es wohl - erstmalig in der Geschichte - die Chance auf Erfolg einer starken einigen Opposition bei den nächsten Wahlen! Auch eine neue Linkspartei gibt es jetzt: "DEMOS" - interessant, denn die "Straftäter" haben ja bisher den Anspruch, "links" zu sein.   *Damit wirklich eine NEUE politische Klasse entsteht, nimmt die USR keine Mitglieder auf, die vorher in irgendeiner anderen Partei waren.  

In jeder großen Stadt entstehen Bürgerrechtsgruppen á la DDR 1989. Die Evangelische Kirche (www.evang.romacht auch schon mal den Mund aufEs gibt ein paar kluge und kompetente Kommunalpolitiker in Siebenbürgen - wo die Staatspartei sowieso wenig Rückhalt hat. Vor Ort - in den Kommunen - wird Demokratie gelebt. Und - weil von der Regierung nichts Konstruktives kommt - hat man damit begonnen, sich zu vernetzen: derzeit boomen Kooperationen auf lolalem Niveau - zwischen Städten, Behörden, Unternehmen, der Zivilgesellschaft und ausländischen Partnern. 

Lichtgestalten im heutigen Rumänien sind außerdem: Monica Macovei (Ex-Justizministerin und EU-Parlamentarier), Siegfried Muresan und Angela Cristea (EU-Parlamentarier), Moise Guran (meinungsbildender Politik- und Wirtschafts-Journalist) unerschrockene Journalisten wie Malin Bot, Dragos Patraru, Sabin Gherman und etliche andere, die Philosophen Gabriel Liiceanu und Mihai Sora, Mircea Cartarescu (Autor), Schriftstellerin Ana Blandiana und nicht zuletzt Cristian Tudor Popescu - Schriftsteller, brillanter Analyst und Sprachrohr der Opposition. Mutig und genial: die Bukarester Werbeagentur Papaya Advertising. Und last but not least: Victor Rebenciuc (Schauspieler) und Tudor Chirila, Sänger der Band VAMA, gehören zu den wenigen Künstlern, die nicht feige schweigen (www.youtube.com). 

Anders als in Ungarn und Polen gibt es (noch?) eine aktive Opposition, Meinungsfreiheit und Medien ohne Maulkorb, Proteste und (befohlene*) Gegenproteste. (*Mehrmals hat die Regierung als "Protest gegen den Protest" -zigtausende "Analphabeten" zu Demos nach Bukarest gekarrt) 

 

17. Kurioserweise soll Rumänien mit seiner "Anti-Europa-Regierung" im ersten Halbjahr 2019 die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Die EU schickt seit einiger Zeit regelmäßig "blaue Briefe" nach Bukarest, die von den Adressaten immer frecher zurückgewiesen werden. Die Führer Rumäniens fremdeln mit der EU und möchten sie gerne aus Rumänien heraushalten. Mit dem europäischen Gedanken können sie eh nichts anfangen. Unverhohlen hoffen sie jetzt auf eine "andere EU" nach der Europawahl im kommenden Mai: auf ein Europa der Populisten und Nationalisten.

Hoffnung auf den Umsturz: Im November 2019 wird - direkt vom Volk - der Präsident neu gewählt. Für 2020 stehen Kommunal- und Parlamentswahl an. Seit langem fordert die Opposition vorgezogene Neuwahlen, bzw. ein Referendum über die Justiz. Es bleibt jedenfalls spannend... 

 

18. Eine selten gestellte und ebenso unbeantwortete Frage: "Wie sehr beeinflusst Russland die politische Entwicklung in Rumänien?" Bekannt ist: Moskau unterstützt alle illiberalen Tendenzen in Europa. Russland möchte Europa spalten und zumindest den ehemaligen Ostblock wieder kontrollieren. 

 

Fazit: Nach 100 Jahren "Groß-Rumänien" ist es relativ unvorstellbar, dass ein krimineller Clan aus dem Süden ein EU-Land auf ein niedrigstes balkanisches Niveau (wieder) herunterziehen und letztlich zum Austritt aus der EU treiben kann. Eher wird das 1918 gestartete Projekt, das sich "Modernes Rumänien" nennt, scheitern! Wenn der Trend in Richtung Illiberalität und Diktatur geht, werden die Einwohner Siebenbürgens vermutlich bald auf Distanz zum Bukarester Zentralstaat gehen. 

Das klar pro-europäische Transilvanien könnte sich (nach dem Vorbild der Slowakei 1992) von Rumänien abkoppeln. Der verbleibende Rest, das "Altreich Rumänien" (Tara Romaneasca), eine Gegend, die früher auch einmal "Halbasien***" genannt wurde, wird sich als Nicht-EU-Land Richtung Türkei und Russland orientieren (www.trt.net) und sich vielleicht mit Moldawien vereinigen. Die Karpaten wären dann wieder - wie seit 1000 Jahren - die Grenze zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident. (www.turnulsfatului.ro)

Oder es wird damit begonnen, im ganzen Land europäische Verhältnisse zu schaffen - spätestens nach den nächsten Wahlen! 

 

***"Halbasien": Diesen Begriff verwendete Karl Emil Franzos in einem 1876 erschienenen Reisebericht für das Rumänische Altreich, Galizien und Südrussland. 

**"Instabilität und Chaos: 800 Änderungen beim Steuerrecht allein im Jahr 2018 (Quelle: Newsweek Romania)

 

https://adz.ro/artikel/artikel/warmer-sommer-heisser-herbst

https://www.nzz.ch/international/politisches-erdbeben-in-rumaenien-waere-ohne-diaspora-nicht-moeglich

http://www.adz.ro/artikel/artikel/eine-neue-schlacht-um-die-macht-in-bukarest

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europaeische_union/1017963_Die-Rache-der-alten-Eliten

https://www.zeit.de/2019/02/rumaenien-eu-ratspraesidentschaft-korruption

https://www.tagesspiegel.de/politik/ein-sorgenkind-an-der-macht-ausgerechnet-rumaenien 

https://www.dw.com/de/aufstand-gegen-den-zentralismus 

https://www.dw.com/de/kommentar-die-fratze-des-kommunismus-in-rum

https://www.dw.com/de/kommentar-unfall-der-demokratie-in-rum 

https://www.eurotopics.net/de/210975/100-jahrestag-der-rumaenischen-staatsgruendung